Holzwolle-Leichtbauplatten HWL

Heraklith – diesen Namen verbindet man unweigerlich mit den im Volksmund genannten Sauerkrautplatten: aus langfasrigem Fichten- oder Kiefernholz (Holzwolle) und einem mineralischen Bindemittel oder Zement hergestellte Putzträger-, Schallschutz- und Wärmedämmplatten. Die Oberfläche der gepressten Bauplatten assoziiert man optisch eben wie Sauerkraut. 2006 ging der langjährige österreichische Hersteller dieser Platten, die Heraklith GmbH in die Knauf Insulation GmbH über.

Als Putzträger-, Konstruktions- und Schall-Dämmplatten in Dachschrägen, an Zwischenwänden, an Kellerdecken, an Decken von Tiefgaragen oder als Verkleidung von McDonald‘s-Filialen haben diese Holzwolle-Leichtbauplatten  eine jahrzehntelange Tradition. Nach der politischen Wende in Deutschland etwas in Verruf geraten, erleben sie seit einigen Jahren eine Renaissance und werden selbst in neuen Museen, Gewerbegebäuden, Flughäfen, Jugendherbergen, Wohnlofts oder Kindergärten wieder eingebaut. Besonders auf Grund der hervorragenden akustischen Eigenschaften der Platten werden sie als Schall absorbierende und gleichzeitig gestaltende Elemente in der modernen Architektur gezielt  eingesetzt, mancherorts auch als lebendiger Gegenpol zur sterilen und billigen Gipskartonwelt. Die nichtbrennbaren A2-Platten erfüllen zudem die komplexen Brandschutzanforderungen sowohl im Neubau wie in der Sanierung.

Heraklithplatten gehören zu den ältesten technisch hergestellten Dämmplatten aus nachwachsenden Rohstoffen. Durch ihre grobfaserige Struktur sind sie ganz von selbst hoch diffusionsoffen und in der Lage Feuchtigkeit zu speichern. Sie sind schadstofffrei und verhalten sich zu allen anderen Baustoffen neutral. Mit der  Ergänzung der zementgebundenen Heraklith C-Platte mit der maßgenaueren BM-Platte (bandformmaschinengefertigt) mit einem neuen, mineralischen Bindemittel hat die Heraklithplatte auch im ökologischen Bauen und im Holzrahmenbau Einzug gehalten. Sie ist zur idealen Konstruktions- und Putzträgerplatte für Lehm- und natürliche Kalkputze avanciert. In dieser Kombination wird sie zum Superpuffer für Feuchtigkeit und Wärme. Leichtbauwände, Verkleidung von Dachschrägen, Deckenabhängung, Vorsatzschalen am Mauerwerk, Innen- und Außendämmungen, Trittschall- und Fußbodendämmung – für praktisch alle Lösungen in der Sanierung und im Neubau finden Heraklithplatten heute Verwendung.

Natürlich hat sich die Produktpalette und damit die Anwendungsvielfalt der Heraklithplatten in den letzten Jahren stark erweitert.

Nebst den klassischen Heraklith C- und BM-Platten mit ihren nichtbrennbaren A2-Varianten gibt es die Heraklith Tektalan. Sie besteht nicht nur aus einer Schicht weißzementgebundener Heraklith-Platte, sondern zusätzlich einseitig (Zweischichtplatte) oder als Sandwichplatte im Kern (Dreischichtplatte)  aus einer Lage Steinwolle in verschiedenen Stärken. Auch diese Platte ist in der nichtbrennbaren A2-Variante auf dem Markt. Tektalanplatten sind für die nachträgliche Wärme- und Schalldämmung sowie zum Brandschutz von Keller- und Tiefgaragendecken (Großgaragen), Wänden, Kellerfluren in Hochhäusern oder Technikräumen vorgesehen sowie zur Verbesserung der Feuerwiderstandsdauer von Betondecken (Brandschutz). Die Platten sind auch werkseitig nach diversen RAL-Farbtönen  eingefärbt erhältlich oder können selber eingefärbt werden.

Die neueste HWL-Platten-Entwicklung der Knauf Insulation GmbH ist die Tektalan A2-SmartTec. Diese Platte besitzt im Unterschied zurHeraklith Tektalan eine Sichtfläche und ihre Kanten sind allseitig gefast. Auch sie ist nach diversen RAL-Farbtönen eingefärbt erhältlich. Ihre natürliche Optik macht sie zur absoluten Designplatte für die moderne Architektur und besitzt zugleich alle Eigenschaften der klassischen Heraklith Tektalan.  Damit erhalten Beton-/Stahl-/Glasbauten eine funktionale und gleichzeitig ästhetische Ergänzung.

Eine weitere neue Errungenschaft ist die Tektalan A2-FP / HB. Diese dreischichtige, weißzementgebundene Holzwolle-Mehrschichtplatte mit Steinwollekern ist nichtbrennbar und schließt mit ihrer WDVS-Fähigkeit die Lücke im Holzwolle-Sortiment von Knauf. Sie ist speziell für  den Holzbau als Wärme- und Schalldämmung sowie als Putzträger konzipiert. Mit der Eignung zur K260-Brandschutzbekleidung erfüllt die neue Platte die höchsten Brandschutzanforderungen im Holzbau. Zusätzlich ist die neue Super-Platte für tragende, raumabschließende Wandkonstruktionen vorgesehen – es läßt sich also mit der Tektalan A2-FP / HB quasi ein komplettes Haus errichten.

Und nun kommt bei einer solchen Anzahl verschiedener Platten natürlich die Frage auf: Wie werden sie eigentlich wo befestigt? Mit welchen Befestigungsmitteln? Denn die Platten verlangen bestimmte Bedingungen an die Unterkonstruktion und Untergründe überhaupt.

Für die Montage bietet Knauf verschiedene Montageanleitungen, z.T. sogar für einzelne Plattenstärken. Denn je nach Dicke der Platte kann auch die Unterkonstruktion variieren. Folgende Links führen zu Montageanleitungen oder zu technischen Merkblättern, die ebenso Hinweise auf die Montage geben:

Dokumentencenter, Montageverarbeitung

Dokumentencenter, Anforderungen und Datenblätter

Dokumentencenter, Praxistipps und Verarbeitungsrichtlinien

oder für ganze Broschüren:

Dokumentencenter, Broschüren

Dokumentencenter, BIM Projekte

Wie weiter oben schon erwähnt, bietet die Holzwolle-Struktur der Heraklithplatten eine ideale Oberfläche für Lehm, Kalk- und andere Putze. Im Gegensatz zu Holzweichfaserplatten, die nur dünnlagig geputzt werden, kann auf Holzwolle-Leichtbauplatten dickschichtig geputzt werden. Dies erweist sich als besonderer Vorteil, wenn gerade im Lehmbau in Innenräumen ein ausgleichendes Raumklima geschaffen werden soll. Zur Feuchtepufferung entfalten Lehm- und natürliche Kalkputze erst ihre volle Wirkung ab 1,5 bis 2 cm Putzstärke. Damit ist genug Putzmasse da, die den Feuchteausgleich (Speicherung und wieder Abgabe) und nebenbei auch die Wärmespeicherung schaffen kann. Erst so wird das allumworbene Wohlfühlklima wirklich erreicht. Heraklithplatten vertragen solche Putzstärken selbst an Decken. Wichtig beim Putzen ist immer die Verwendung einer vollflächigen Gewebearmierung, damit der Putz an den Plattenstößen nicht reißt.

Und am Schluss mit einer Lehm- oder Kalkfarbe gestrichen, steht einem ästhetisch schönen und baubiologisch sinnvollen Raumklima nichts mehr im Weg.

Die Entscheidung für Heraklithplatten lässt vielleicht trotz oben erwähnter Links noch ein paar Fragen offen. Für diesen Fall und zusätzliche Beratung gibt Baunativ GmbH & Co. KG gerne Auskunft.

Pelangi und Französischer Ocker

Mit unseren Pelangi-Pigmenten folgen wir der Französischen Ocker-Tradition und beziehen viele Erdpigmente direkt aus dem Abbaugebiet in Frankreich. Aber wir müssen heute den Fokus ein bisschen weg von Roussillon richten, da dort schon lange Zeit kein Ocker mehr abgebaut wird.

Wer hat nicht schon vom berühmten Französischen Ocker gehört, von der weltweit bekannten gelb-roten Erde aus Südfrankreich? Sinnbild dafür ist Roussillon, eine kleine Gemeinde im Naturpark Luberon der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, die durch jahrhundertelangen Ockerabbau weltberühmt wurde. Der Ockerabbau reicht hier nachweislich bis in die Römerzeit, vielleicht aber auch noch weiter zurück. Bis Anfang 1930-er Jahre war Roussillon Zentrum des Ockerabbaus. Man zählte damals in den Ocker-Abbaugebieten Provence und Burgund noch 18 verschiedene Ocker-Gesellschaften mit nahezu 1000 Arbeitern und einer Jahresproduktion von ca. 40‘000 Tonnen Ocker.

Die weltweite Krise der 1930-er Jahre und der zweite Weltkrieg brachten den Großteil der Ockerproduktion in Frankreich zum Erliegen. In Roussillon sollte nie wieder Ocker abgebaut werden – es besteht heute nur noch eine Farbenfabrik als Museum.

Übrig geblieben ist 12 Km südwestlich von Roussillon, in Apt, eine Ocker-Fabrik, die sich mehr schlecht als recht bis in die 1970-er Jahre gerettet hat: Die “Société des Ocres de France“. Sie betreibt in Gargas (4 Km nordwestlich von Apt) die letzte aktive Ockergrube Frankreich‘s und ist heute das letzte eigenständige Unternehmen in Frankreich, das den sandigen Ocker abbaut und zu reinem gelbem oder rotem Ocker verarbeitet, wobei der gewaschene Ocker noch an der Sonne trocknet.

Die “Société des Ocres de France“ stand noch 1973 quasi vor dem Aus und leeren Bestellbüchern, sie produzierte praktisch nichts mehr und ihr Ruin drohte. Erst die Übernahme 1974 des Unternehmens durch den einheimischen Betreiber einer Maurerfirma Gilbert Guigou rettete das Unternehmen in die Zukunft. Mit dem Eintritt seiner beiden Söhne in das Unternehmen 1985 blühte das Unternehmen neu auf, Innovationen in farbige Putze verschafften neue Absatzmärkte. Auch die EnkelInnen von  Gilbert Guigou arbeiten heute mit Herzblut im  Familienunternehmen und machten es zu dem, was es heute ist: ein innovatives, regionales, ökologisch ausgerichtetes  Unternehmen mit Französischem Know-How, von Generation zu Generation weiterentwickelt, eine internationale Sehenswürdigkeit und ein industrielles Erbe.

Die “Société des Ocres de France“ liefert heute die hochwertigsten Ocker und andere Erdpigmente in alle Welt, das familiengeführte Unternehmen stellt mit seinen Erden mittlerweile auch natürliche Farben, Putze, Kalkprodukte, Künstlerfarben mit den notwendigen Rohstoffen dazu sowie Dekorationsartikel in südfranzösischem Flair.

Wer ein bisschen Französisch versteht, kann sich unter dem Link https://www.facebook.com/ocresdefrance/videos/608765562527432/ einen Kurzfilm über die Ockergewinnung in Apt anschauen. Wer kein Französisch versteht, schaut sich vielleicht einfach die schönen Bilder an.

Interview mit Fanny Leonhardt, Auszubildende im 1. Jahr

Fanny Leonhardt

Wie alt bist du, wo kommst du her, was für eine Schulbildung hast du?

Ich bin 16 Jahre alt und komme aus Riesa. Ich habe die Realschule besucht und abgeschlossen.

Was hat dich zur Entscheidung bewogen, die Ausbildung zur E-Commerce-Kauffrau  zu machen?

Das war eigentlich eher zufällig: Meine Schule hat sich ab der achten Klasse intensiv damit beschäftigt, den Schulalltag berufsorientiert zu gestalten. Da war dann irgendwann beiläufig auch von einer App die Rede, über die man freie Lehrstellen einsehen konnte. So bin ich auf diesen Beruf gestoßen und dachte, dass der ganz interessant sein könnte.

Ist das ein Beruf mit Zukunft? Oder eher eine Grundbasis für weitere höher qualifizierte Ausbildungen? Hast du dich im Vorfeld der Ausbildung auch informiert über Aufstiegschancen oder weiterführende Qualifikationen?

Auf jeden Fall hat der Beruf Zukunft:  Bestellungen über das  Internet nehmen immer zu, auch im nachhaltigen Baustoffhandel.

Aufstiegschancen sind für mich noch kein Thema, vielleicht möchte ich später einfach hier bleiben.

Hattest du bisher schon Berührung mit Baustoffen, Farben, Dämmstoffen etc., z.B. zu Hause  im Elternhaus, Bekanntenkreis (Umbau, Sanierung Neubau)?

Baustoffe sind für mich nicht fremd. Mein Vater ist Dachdecker, ich habe bei ihm auch schon mitgeholfen. In meinem Familienumfeld arbeiten einige Leute in diesem Bereich, sodass ich immer wieder Berührung mit Baumaterialien  hatte und habe.

Sind naturnahe / ökologische Produkte rund ums  Haus wichtig, oder spielt es keine Rolle, was man verbaut?

Vor Beginn meiner Ausbildung habe ich noch nicht über ökologische Bauprodukte nachgedacht. Aber jetzt würde ich auch natürlich bauen – ich finde dies auf jeden Fall sinnvoll.

Bestellst du auch manchmal etwas im Internet? Macht das Spaß?

Ich bestelle meistens  nicht alleine im Internet. Ich suche mir etwas aus und mache das mit meinen Eltern zusammen oder mit deren Erlaubnis. Aber ja, es macht Spaß.

Gehst du – wenn du etwas benötigst (außer Lebensmittel) – in ein Geschäft oder machst du alles online?

Hauptsächlich kaufe ich offline ein, also in real existierenden Geschäften. In Riesa, wo ich wohne, gibt es auch genug Einkaufsmöglichkeiten, wo man eigentlich alles bekommt. Reales Einkaufen ist mir persönlich lieber. So lassen sich unschöne Wartezeiten oder Fehlkäufe vermeiden.

Wie haben deine Familie, deine Freunde auf die Entscheidung reagiert, diese Ausbildung zu machen?

Sie waren alle sehr glücklich darüber, dass ich diesen Ausbildungsplatz bekommen habe. Aber gleichzeitig waren sie auch überrascht, da sie diesen Beruf bisher noch nicht kannten.

Wird die Ausbildung in deinem Umkreis eher als angesagt angesehen oder eher als “altbacken“?

Meine Freunde finden den Beruf interessant, sie stellen sich darunter einen Bürojob vor, wo man immer mit der Kaffeetasse herumläuft. Manchmal machen sie sich auch etwas lustig darüber, aber halt nur, weil sie sich unter dem Beruf nicht viel vorstellen können.

Warum bist du zu Baunativ gekommen? War das Angebot an Ausbildungsplätzen groß?

Nachdem ich über die App die offene Ausbildungsstelle bei Baunativ gefunden hatte, dachte ich, ich probier’s einfach mal mit bewerben. Es hat sofort geklappt, und dann wollte ich auch nicht mehr weitersuchen.

Ist die Art und Weise, wie in der Berufsschule unterrichtet wird, zeitgemäß, motivierend oder müsste sich dort nach deiner Meinung etwas ändern?

Im Vergleich zu meiner alten Schule gibt es in der Berufsschule viel Technik, jeder hat einen PC mit Warenwirtschaftssystem drauf an seinem Platz. Notizen muss ich nicht mehr unbedingt von Hand in ein Heft schreiben, sondern ich kann sie auch direkt in den Computer tippen. Die Lehrer sind freundlich und das Ganze ist sehr ausbildungsorientiert. Ich bin zufrieden an der Berufsschule.

War der Wechsel von der Schule zum Arbeitsleben für dich ein sehr einschneidendes Erlebnis? Löst man sich damit automatisch auch etwas vom Elternhaus?

Ich hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass etwas Neues beginnt. Klar man trennt sich von seinen Freunden, lernt neue Menschen kennen und es gibt einen neuen Tagesrhythmus, an den man sich gewöhnen muss. Die Umstellung zu Hause war aber kein Problem.

Wie ist es, plötzlich mehr eigenes Geld zu haben?

Es ist ein tolles Gefühl. Ich gebe natürlich nicht gleich das ganze Geld aus, ich spare es hauptsächlich. Aber es ist ein schönes Gefühl, mir z.B. eigene Kleidung kaufen zu können, ohne Finanziell von meinen Eltern abhängig zu sein. Im Freundeskreis reden wir auch öfter über dieses Thema.

Vielen Dank Fanny für das schöne Gespräch!